D I E

E R B S E N A R B E I T E N


(O R I G I N A L -

T E X T)


Das Konstruieren von geometrischen Körpern und Alltagsgegenständen mit dieser Technik geht original auf Fröbel zurück. 

 

Eine Schülerin Fröbels, die in der Ausbildung von Kindergärtnerinnen in Leipzig tätig war, hat die Technik der sog. Erbsenarbeiten und deren Umsetzung in einer kleinen Schrift detaillliert beschrieben. Das Heft erschien um 1910 in Leipzig. Es enthält auch Abbildungen von 100 geometrischen Körpern. 

  

So sah das Cover des um 1910 erschienenen Heftes "Die Erbsenarbeiten" von Marie Müller-Wunderlich aus. 

 

 

DIE FRÖBELSCHEN BESCHÄFTIGUNGEN: DIE ERBSENARBEITEN VON MARIE MÜLLER-WUNDERLICH

Der Text von Marie-Mülle-Wunderlich ist in altdeutscher Schrift abgedruckt. Ich habe ihn in unsere heutige Druckschrift übertragen.

 

Im Folgenden erscheint nun der Original-Text von: 

 

Die Fröbelschen Beschäftigungen dargestellt in Einzelheften mit Erläuterungen.

 

3. Heft: Die Erbsenarbeiten

 

Autor: Marie Müller-Wunderlich

 

"Zu dieser Beschäftigung sind ungeschälte Erbsen und an beiden Enden angespitzte Holzstäbchen verschiedener Länge erforderlich. Die Erbsen sind in den Geschäften, die Futtermittel führen, am ahesten zu haben und es eignen sich die sog. Futtererbsen am besten für diese Arbeiten, da sie von ghübscher gleichmäßiger Form und kleiner als die Speiseerbsen sind. Sie müssen, ehe man sie benutzen kann, ungefähr 10 - 12 Stunden in kaltes Wasser gelegt werden, um sie aufzuweichen. Gut ist es, wenn auch nicht unbedingt erforderlich, sie darauf wieder eine Stunde etwas antrocknen zu lassen; sie werden dann gerade die nötige Weiche und Widerstandsfähigkeit haben, die Stäbchen aufzunehmen und festzuhalten.  

 

Die Spitzen der Stäbchen dürfen nicht mit einem Male kurz zulaufen, sondern sie müssen in langer, allmählich sich verjüngender und am äußersten Ende etwas abgestumpfter Spitze enden. Leider sind die Stäbchen, die man im Handel vorrätig hält, nicht nach dieser Vorschrift angespitzt. Die kurze, dünne Spitze bricht beim Hineinbohren in die Erbse ab und bringt diese, da gleich das Stäbchen in seiner ganzen Dicke nachfolgt, zum sofortigen Platzen. Abbildung 1 Tafel 1 zeigt eine solche Spitze, wie sie nicht sein soll und bringt in Nr. 2 die richtige, die schlank und abgestumpft verläuft, so dass man mit Leichtigkeit 6, ja sogar bei einiger Vorsicht 8 Stäbchen in eine Erbse bringen kann, ohne sie zum Platzen zu bringen. In jeder Erbse ist die Keimzelle, aus der die jungen Keime hervorgehen, kenntlich durch einen helleren Fleck. Man vermeide es, in diesen zu stoßen, da die Erbse dann leicht auseinanderspringt.   

Unter den Kindergärtnerinnen herrscht vielfach die irrige Meinung, daß die Beschäftigung mit der Erbsenarbeit für die Kinder des Kindergartens zu schwierig sei, und daß sie aus diesem Grunde nur den Kinder verschiedenen Alters in der Familie vorbehalten werden müsse. Hauptsächlich mögen jedoch nur die falsch angespitzten Stäbchen und die etwas größeren Umstände, die die Vorbereitungen zu der Arbeit verursachen, zu dieser falschen Voraussetzung geführt haben, denn sind Stäbchen und Erbsen in obiger Weise präpariert, so ist es gar nicht schwierig, eine nicht zu große Anzahl 5-6jähriger Kinder damit zu beschäftigen. Man wird selbstredend nicht jede Woche diese Arbeit auf den Stundenplan und außer den ersten einfachsten der in diesem Hefte gebrachten Formen die schwierigsten nicht auch von diesen Kindern nachahmen lassen wollen. Für das Kindergartenalter wird eine verständige Kindergärtnerin schon die passende Auswahl zu treffen wissen. Die Erbsenarbeit fördert wesentlich die Geschicklichkeit der Finger. Sie bedingt eine leicht vorsichtige Handhabung und übt die Kinder im Augenmaß und in der Einhaltung der Richtung, die die Stäbchen zu nehmen haben. Ein Würfel wird z.B. nicht lotrecht stehen, wenn das Grundquadrat an einer Stelle sich etwas hebt, und ein DReieck oder Rechteck wird nicht regelmäßig sein, sobald ein Stäbchen tiefer in die Erbse hineingebohrt wird, als die anderen.     

Die fertige Form wird nur dann Dauerhaftigkeit erhalten, wenn alle Stäbchen gleichmäßig und tief genug in die Erbse eingelassen sind. Läßt man die fertige Form nun eintrocknen, so umschließen die Erbsen die Stäbchen so fest, daß eine gleichmäßig gut gearbeitete Form auch eine verhältnismäßige Dauerhaftigkeit besitzt und desto fester wird, je älter sie ist.   

Es macht den Kindern große Freude, sich die Gegenstände aus der Umgebung und dem täglichen Leben in dieser Arbeit nachzubilden. Ältere Kinder werden mit Erfolg zu den auf den Tafeln 9-12 gebrachten Darstellungen neben den Stäbchen auch Draht mit verwenden, der in Haarnadelstärke sein kann. Messingdraht lässt sich leichter schneiden als der dunkle Eisendraht und macht sich zu den Arbeiten auch noch besser. Zu der Rechennmaschine Tafel 9 Nr. 66 können große farbige Glasperlen verwendet werden, die man auf die Drähte reiht und dann gut hin- und herschieben kann. Formen 71 - 75 auf Tafel 10 und der Tisch Nr. 96, sind aus Blumendraht hergestellt. Zu den Formen auf Tafel 11, dem Handwerkszeuge, Küchengeräte und dem Banner verwendet man zusammengeklebtes Silber- oder Stanniolpapier. Die mathematischen Formen, Tafel 8, bieten gutes Anschauungsmaterial für den geometrischen Unterricht. Tafel 12 bringt kleine Möbel, deren Flächen durch eine mit wenigen Stichen befestigte Stoffunterlage ausgefüllt sind. Den geschickten Fingerchen der kleinen Mädchen im Familienkreise wird es ein leichtes sein, die selbstgefertigten Sächelchen in dieser Weise auszukleiden. Die beigegebenen Zeichnungen stellen folgende Gegenstände dar:    

1. u. 2. 

Die Stäbchen falsch u.

richtig angespitzt

31. Tisch
3. Zwirnrolle oder Hantel 32.  Taubenhaus
4.  Gleichseitiges Dreieck 33.  Steigerturm
5.  Quadrat 34, Klappstuhl
6.

Rechtwinklig gleichschenkliges

Dreieck

35.  Nähtisch
7.

Stumpfwinklig gleichschenkliges

Dreieck

36. Karren
8. Rechteck 37. Gartenlaube
9. Sonne 38. Krippe
10. Kreuz 39. Stuhlleiter
11. Haus 40. Quirl
12. Leiter 41. Kleiderständer
13. - 16. Fenster 42. Messerbänkchen
17. Eisernes Kreuz 43. Pfeil
18. Fenster 44. Telegraphenglocken
19. Mühle 45. Laterne
20. Fahne 46. Schlitten
21. Stern 47. Stern
22. Doppelquadrat 48. Wüfelkreuz
23. Efeublatt 49. Stern
24. Dach oder Phyramide 50. Gartentor
25. Würfel 51. Windmühle
26. Turm oder Phyramide 52. Schaukel
27. Stuhl 53. Luftschiff
28. Stehspiegel oder Lichtschirm 54. Christbaum
29. Stuhl 55. Stern
30. Bank oder Sofa