BILD VOM KIND


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Was sehe ich, wenn ich dieses Kind anschaue? Was sehe ich in Kindern? Worauf schaue ich?

 

Das ist eine spannende Frage, oder? Jeder hat so ein Bild im Kopf. Wir sind uns nur nicht immer bewusst darüber. Das Interessante daran: Hier entscheidet sich, was ich denke, was Kinder brauchen oder nicht! Deshalb lohnt es sich, über das eigene Bild vom Kind nachzudenken.

 

Fröbel hat auch darüber nachgedacht. In seiner ganzen Pädagogik, in seinen Spielgaben, einfach in allem "steckt" sein Bild vom Kind.

 

BILD VOM KIND: Ein kleines Kind, das fröhlich in die Welt blickt
BILD VOM KIND Ein kleines Kind, das fröhlich in die Welt blickt

 

 

Kurz zusammengefasst ist Fröbels Bild vom Kind: 

       

  • das Kind ist Teil der Natur und damit auch Teil von etwas Größerem (Fröbel nennt es Gott oder Göttliches)

In der Natur entwickelt sich alles zu dem, was in ihm angelegt ist, die Rosenknospe wird zur Rose, das Entenküken wird

zur Ente...

 

-> so hat ist auch jedes Kind individuell und der Erwachsene

    muss sich mit dem Kind auf den Weg machen um

    herauszufnden, was seine speziellen Begabungen, seine

    Berufung im Leben ist

    Deswegen muss Erziehung nach Fröbel

    "nachgehend" und nicht "vorschreibend" sein

 

  • das Kind möchte selbst etwas tun, also spielen und sich dadurch weiterentwicken

dazu hat Fröbel aufeinander aufbauende sog. Spielgaben

entwickelt 

 

Aber wie ist Fröbel zu dieser Sichtweise auf das Kind gekommen?

 

Woher weiß er, wie Kinder sind und was sie brauchen? Fröbel hatte sehr viel Erfahrung mit Kindern und hat in vielen Einrichtungen und Schulen mit Kindern gelebt und gearbeitet. Bevor er den Kindergarten gegründet hat, hat er bereits jahrelang Schulen geleitet. Am Anfang seiner Karriere hat er bei Pestalozzi mitgearbeitet und sich mit seiner Pädagogik auseinandergesetzt. Von Pestalozzi hat er dabei viel profitiert. Ausgehend von Pestalozzi hat er dabei immer mehr seine eigene Sichtweise aufs Kind und seine eigene Pädagogik entwickelt (s. Kurzbiografie). 


Fröbel hat in vielen Briefen und Zeitschriften, die er selbst ins Leben gerufen hat, seine Pädagogik und den Umgang mit seinen Spielgaben beschrieben. In einem seiner zwei Bücher, in "Die Menschenerziehung" von 1826 erklärt er am Anfang sehr ausführlich, wie er den Menschen und das Kind sieht und leitet daraus seine Pädagogik ab. 

 

Fröbel erklärt ganz am Anfang in "Die Menschenerziehung" dass alles was existiert, einen gemeinsamen Ursprung hat. Dieses Gemeinsame, das was alles Lebendige eint, sagt er, kann jeder wahrnehmen indem er z.B. die Natur beobachtet. Er bezeichnet diesen Ursprung auch als Gott oder Göttliches. Fröbel sagt, dass der Mensch mit Gefühl und Vernunft ausgestattet ist. Und er sagt, dass das im Menschen angelegte Bedürfnis ist, sein Wesen, seine Begabung, das Göttliche in sich selbstbestimmt zu entwickeln und zu leben. 

 

Im Kind ist also alles angelegt. Fröbel spricht in diesem Zusammenhang oft von der Entwickelung. Der Begriff enthält damit schon das Programm: Es ist alles schon da, es muss nur entwickelt werden, auseinandergewickelt, entfaltet werden. 

 

Fröbel sagt dazu in "Die Menschenerziehung":

 

ERZIEHUNG BEDEUTET, DAS KIND ALS EIN SICH SELBST BEWUSST WERDENDES, DENKENDES, FÜHLENDES WESEN ZU SEHEN MIT DER BESTIMMUNG, DAS IN IHM LIEGENDE GÖTTLICHE UND IN ALLEM WIRKENDE GESETZ, SELBSTBESTIMMT UND SELBSTBEWUSST AUSZUDRÜCKEN, ALSO ZU LEBEN...  

 

Das ist etwas moderner ausgedrückt. Im Original heißt es bei Fröbel (Die Menschenerziehung, 1826, S. 3) so: "Das Anregen, die Behandlung des Menschen als eines sich bewusst werdenden, denkenden, vernehmenden Wesens zur reinen unverletzten Darstellung des inneren Gesetzes, des Göttlichen mit Bewusstsein und Selbstbestimmung, und die Vorführung von Weg und Mittel dazu ist Erziehung des Menschen."