So

25

Aug

2013

FRÖBEL UND ORIGAMI: AUSSTELLUNG IN PRETTIN

Das Papierfalten gehört bei Fröbel zu den sog. "Beschäftigungen" im Kindergarten. Die Kunst des Papierfaltens ist heute bekannt als "Origami".

 

In der Marienkirche in Prettin wird in 1 Woche, am 3.9.13 eine Ausstellung über Origami eröffnet. Sie heißt: FASZINATION PAPIER

 

GEFALTETE SERVIETTEN
GEFALTETE SERVIETTEN

In der Ausstellung wird es auch eine "Fröbel-Ecke" geben. Dort gibt es Infos zu Fröbel, seiner Padäagogik, seinen Spielgaben und vor allem- den Bezug von Fröbel und Origami. Dazu gibt es Fotos von mir von den Spielgaben. Und: Es gibt Exponate zu den Grundfaltungen bei Fröbel zu bestaunen.   

 

Zunächst: Ich muss gestehen, dass ich mich bisher noch nicht mit dem Papierfalten bei Fröbel beschäftigt habe. Vor langer Zeit habe ich einmal unter Anleitung einen Fröbelstern gebastelt- das ist ja die bekannteste Faltarbeit Fröbels. 

 

Wem das genauso geht, und wer einfach neugierig ist auf Origami und die Kunst des Faltens, der muss im September nach Prettin und nach Labrun gehen! 

 

Denn in Prettin gibt es nun eine Ausstellung über die Faltkunst Origami. Prettin gehört zu Sachsen-Anhalt und liegt- grob gesagt- zwischen Leipzig und Berlin in der Nähe der Lutherstadt Wittenberg.

 

 

AUSSTELLUNG IN PRETTIN

 

Die Origami-Ausstellung "FASZINATION PAPIER" kann man in der Marienkirche in Prettin vom 3. - 21. September 2013 besichtigen. 

 

Anlass ist der 5. Mitteldeutsche Origamitag in Labrun am 21. September 2013 und das 700jährige Jubiläum der Stadtkirche St. Marien in Prettin.

 

In der Marienkirche in Prettin findet am Dienstag, den 3. September um 10.00h die Ausstellungseröffnung statt. Dazu gehört natürlich auch gleich eine Papierfaltaktion!   

 

INTERVIEW MIT EVA-MARIA GLÜER

 

Aber was gibt es nun genau zu bestaunen auf der Ausstellung? Das wollte ich von einer der drei Initiatorinnen- Eva Maria Glüer- persönlich wissen! Dazu habe ich sie per Mail interviewt! 

Hier das Interview

 

ich:

WORUM GEHT ES BEI IHRER AUSSTELLUNG UND WAS GIBT ES DA ZU SEHEN?

 

Frau Glüer: 

Die Ausstellung wird nicht von einem einzelnen Künstler gestaltet, sondern von ganz vielen Personen. Sie will eine gemeinsame Plattform sein für Origami-Anfänger und Fortgeschrittene. Wir wollten ganz vielen Menschen Lust machen, sich mit Origami zu beschäftigen, was uns gelungen ist. 

 

Der äußere Anlaß ist der 700.Geburtstag der Stadtkirche Prettin. 700 Jahre Kirche und Glauben in Prettin – und höchstwahrscheinlich noch länger. Kirche lebt vom Mitmachen, Glauben vom selber ausprobieren und weitergeben. Origami genauso – jeder kann Papier falten, ganz einfach oder hochkomplex. Origami lebt vom Weitergeben. 

 

In der Kirche wird es verschiedene Themenräume und –ecken geben. Wenn man alles sehen will, erkundet man auch gleichzeitig die Kirche. Im Kirchenraum gibt es Blütenkugeln, Tesselationen, Gruppenarbeiten mit freier Themenwahl und eine Ecke zu Friedrich Fröbel. Auf der Orgelempore sind Brieffaltungen zu sehen. Im Turmraum gibt es biblische Geschichten aus Papier, in der Sakristei gefaltete christliche Symbole und Gegenstände und in der Hedwigsloge viele Sterne, die mit Schwarzlicht angestrahlt werden.

 

 

ich: 

WIE SIND SIE ZUM ORIGAMI GEKOMMEN?

 

Frau Glüer:  

 

Durch meine Kinder. Sie gingen in Lauchhammer in den evangelischen Kindergarten, wo viel gefaltet wurde. Sie kamen nach Hause und wollten weiterfalten und ich hatte nicht viel Ahnung. Ich lernte so mit meinen Kindern mit und besorgte mir dann Bücher. Heute kann ich mehr falten als meine Kinder ;-)

 

 

ich: 

WO SEHEN SIE ZUSAMMENHÄNGE ZWISCHEN ORIGAMI UND FRÖBEL?

 

Frau Glüer: 

Fröbel ist auch Origami. Auf den international verwendeten Begriff einigte man sich bloß erst nach seiner Zeit.

 

 

ich: 

WAS HABEN SIE ALS ERSTES NACH ORIGAMI GEFALTET?

 

Frau Glüer: 

Als Kind ein Kästchen mit Deckel, mit Einschnitten, dann auch den Hut und das Schiff. Als erwachsene Frau das Sternkörbchen. Und das erstaunliche war, daß ich mich an die Dinge aus der Kindheit noch erinnerte und sie nach 15 Jahren Faltabstinenz noch konnte!

 

 

ich: 

GAB ES SCHLÜSSELERLEBNISSE MIT ORIGAMI?

 

Frau Glüer: 

Ja, 3 Stück. Als Kind ging ich weder in den Kindergarten noch in den regulären Schulhort. Nur in Freistunden war ich mit im Hort. Und da wurde gefaltet. Die anderen Kinder hatten schon etwas Erfahrung. Für mich war das total neu. Das einfache Kästchen mit Deckel, wo das Blatt an vier Stellen eingeschnitten wird, war das erste. Ich war ein Kind, dem das Lernen sehr leicht fiel und nicht gewohnt, Probleme bei einer Anforderung zu bekommen. Und nun sollten da so viele Knicke in ein Stück Papier gemacht werden – das war Stress! Ich war nicht die Beste! Ich hatte überhaupt noch keinen Blick für die Faltlinien auf dem Papier. Ich habe es dann aber hinbekommen und zu Hause mehrfach gefaltet. Sogar einen Adventskalender habe ich dann später mit diesen Kästchen gebastelt.

 

Die zweite Origami-Erfahrung hat mich von meinem Perfektionismus „geheilt“. Meine Tochter war ca. 3 Jahre und hatte im Kindergarten das zusammengeschobene Quadrat kennengelernt, kam nach Hause und wollte es mir zeigen. Ich holte die sorgsam gehüteten Faltblätter raus, dann klingelte das Telefon im anderen Zimmer (damals noch nicht schnurlos!). Das Gespräch dauerte wohl etwas länger. Als ich wieder ins Zimmer kam, o Schreck, hatte meine Tochter schon einen ganzen Stapel meines „wertvollen Papieres“ verfaltet und auch noch übereinander geklebt, natürlich nicht akkurat – wie schrecklich! Ich weiß nicht mehr, wie meine erste Reaktion war. Ich nahm das ganze in die Hand und, siehe da, es fächerte sich auf und wenn man Anfang und Ende zusammenhielt, sah es aus wie eine Blüte! So kunterbunt durcheinander geklebt – hätte ich nie zugelassen – und so schön - herrlich! Wir klebten sie zusammen und sie hing ganz lange in unserer Wohnung und erinnerte mich daran, die Kinder auch „unvollkommen“ was machen zu lassen.

 

Die dritte Origami-Begegnung war dann der Durchbruch zum Selber falten. Die Kindergärtnerinnen boten in der Weihnachtszeit einen Elternabend mit Basteln (=Papier falten) an und meinten auch scherzhaft, die Eltern stellen sich immer ungeschickter an als die Kinder! Dort wurde ein Sternkörbchen gefaltet, mit Faltblättern „aus dem Westen“, mit goldenem Metallpapier! Es muß 1988 gewesen sein. Aus meiner heutigen Sicht finde ich das Modell als Einstieg ganz schön schwer! Aber damals gab es auch nicht so viel Auswahl! Die Eltern mühten sich redlich ab. Mir gelang es sehr gut und es machte Spaß. Von da an sammelte ich Faltmuster und legte ein eigenes Bastelbuch an, um für meine Kinder und Geschenke Ideen parat zu haben. Meine Schwester machte zu der Zeit dann auch eine Ausbildung zur ev. Kindergärtnerin und die Fröbel-Faltschule gehörte dort zum Pflichtprogramm.

 

 

ich: 

DIE AUSSTELLUNG FINDET JA IN EINER KIRCHE STATT.

GIBT ES DA EINEN BEZUG? 

 

Frau Glüer: 

Ja, beim Nachdenken fiel mir auf, dass es noch ein 4. Schlüsselerlebnis mit Origami gibt, allerdings genau anders herum. Bei den ersten drei Begegnungen hat Origami mein Leben und Handeln beeinflusst. Bei der vierten hat mein Leben Origami bzw. meine Origami-Produktivität beeinflusst und enorm gesteigert. Und das kam so und hat mit den Veränderungen in meinem Glauben zu tun.

Obwohl ich in einer sehr frommen, christlichen Familie aufwuchs und diesen Lebensstil auch selber bejahte, entfernte ich mich als Erwachsene immer weiter von Gott. Wenn man eine Beziehung nicht pflegt, flacht sie ab und stirbt irgendwann. Das ist bei menschlichen Beziehungen so und bei Gott nicht anders, ein schleichender, fast unmerklicher Prozess.

An diesem Punkt erlebte meine Schwester, die in einer tiefen Lebenskrise steckte, eine radikale Kehrtwende ihres Leben mit einer bewussten Hinwendung zu Gott. Ich beobachtete die Entwicklung sehr distanziert und misstrauisch, stellte aber im Laufe der Zeit fest, dass ihr neuer Glaube sehr lebensbejahend, kraftvoll und anziehend war. Das beeindruckte und faszinierte mich.

Durch eine berufliche Auszeit und längere Krankheit hatte ich Zeit zum Nachdenken und schließlich auch Umdenken. Ich sprach mit Gott und räumte ihm eine 2.Chance in meinem Leben ein. Äußerlich änderte sich nicht viel, aber mein Lebensgefühl wurde ein ganz anders. Eine große Liebe zu den Menschen um mich herum wuchs und das Bedürfnis, ihnen etwas Gutes zu tun und ihnen so etwas von Gottes Liebe zu zeigen. Und dazu war Origami natürlich wie geschaffen! Dank und Wertschätzung anderen gegenüber bestimmten nun mein Leben und das war häufig verbunden mit dem Falten von kleinen Geschenken und Aufmerksamkeiten. Außerdem suchte ich jedes Jahr neu nach einer Papierfaltidee für die jeweilige Jahreslosung und verschenkte diese dann in meinem beruflichen Umfeld und darüber hinaus zu Geburtstagen. Jedes Jahr etwas neues suchen und dann immer wieder falten, festigt und erweitert das Origami-Repertoire enorm. 2009 starteten wir unsere erste Ausstellung. Ich hatte meine Nachbarin durch das Verschenken eines Bascetta-Sternes als Dankeschön mit Origami „infiziert“ und wir gestalteten eine Origami-Ausstellung zum Kirchenjahr in unserer kleinen Dorfkirche. Das Thema verlangte wieder ein gezieltes Suchen nach Faltobjekten und erweiterte den Falthorizont. 2010 wurde ich dann Mitglied bei Origami Deutschland e.V., was einen weiteren Faltschub und interessante Kontakte zu anderen Faltern nach sich zog. Und so ist die Ausstellung „Faszination Papier“ 2013 in der Prettiner Kirche auch eine weitere Folge meines Anliegens, Menschen mit Glaube, Kirche und Gott in Berührung zu bringen.

 

 

ich: 

WAS RATEN SIE JEMAND, DER MIT ORIGAMI BEGINNEN MÖCHTE?

 

Frau Glüer: 

Am besten ist es, sich von jemandem was zeigen zu lassen. Aber heute gibt es ja auch zahlreiche Videos bei Youtube. Das ist zum Einstieg sicher leichter, als sich ein Buch zu kaufen. Für Anfänger ist es meist nicht einfach, die Diagramme zu verstehen. Aber es ist auch ein Weg, wenn einen die Dinge ansprechen. Aber jeder Mensch springt auf unterschiedliche Dinge an: was praktisches, Brief oder Schachtel, was zum Spielen und Verändern, Schmetterlingsball oder Kaleidoskop oder ein Tier. Das ist total unterschiedlich! Einfach ausprobieren.

 

Danke für das Interview! 

 

Zum Schluss gibt es hier noch exklusiv ;-) ein paar Fotos von der Ausstellung- VOR Ausstellungsbeginn, die mir freundlicherweise zur Verfügung gestellt wurden. Das und noch vieles andere mehr wird es also hier zu sehen geben: 

 



 

So, ich hoffe, ich konnte mit diesem Beitrag Lust machen, sich mal mit Origami zu beschäftigen. Irgendwann wird es sicher auch auf dieser Homepage Fotos und Informationen zum Papierfalten bei Fröbel geben. Bis dahin empfehle ich:

 

Auf die Ausstellung nach Prettin gehen!
Danach- am 21. September (9-1h) am Origamitag in Labrun (Nachbarort) teilnehmen!

Ort:

Hotel und Gasthof „Zur Erholung“,

Labruner Hauptstr.2 in

06925 Annaburg, Ortsteil Labrun 

 

Da gibt es Workshops zum Falten! 

 

Wer jetzt Lust bekommen hat, und sich anmelden möchte, der kann das hier tun:

Tel. 0385386-22499

www.labrun-erholung.de

 

 

 

Mehr Infos dazu aus der Presse: 

 

Labrun richtet einen mitteldeutschen Origami-Tag aus

 

Adressen und Fotos:

Ausstellung in Prettin und dem Origamitag in Labrun

 

Origami Deutschland e.V. 

-> hier gibt es auch Faltanleitungen!

 

 

Viel Spaß!

 

 

 

 

 

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